Die Schausammlung Historismus Jugendstil wurde 1993 im Zuge der Neueröffnung nach der Generalsanierung des Museums von der US-amerikanischen Künstlerin Barbara Bloom eingerichtet – und ist seither fast unverändert zu sehen. Mit den auf halbtransparente Stellwände projizierten Schattenrissen der Bugholzsessel bildet dieser Raum bis heute eines der Highlights unter den künstlerisch inszenierten Sammlungsräumen des MAK.
MAK – Museum für angewandte Kunst
Die Erfolgsgeschichte der Firma Thonet stellt so etwas wie einen Mythos der modernen Designgeschichte dar. Mitte des 19. Jahrhunderts war der deutsche Tischler Michael Thonet, der in den 1830er Jahren eine eigene Holzbiegetechnik für Möbel entwickelt hatte, nach Wien übersiedelt. Durch konsequente Optimierung seines Verfahrens gelang es ihm, das wohl größte Möbelimperium seiner Zeit zu begründen. 1856 meldete er ein Patent auf das Biegen von Massivholz an.
 
Neben der Weiterentwicklung der Holzbiegetechnik liegt die wegweisende Leistung Thonets vor allem darin, den seit Jahrhunderten handwerklich gefertigten Stühlen der Möbeltischler ein modernes Industrieprodukt an die Seite gestellt zu haben. Dieses konnte in weitaus größeren Stückzahlen produziert werden und eroberte weltweit neue Märkte. Vor allem im Bereich der Sitzmöbel entstanden dabei eigenständige Produkte, die nicht nur ästhetisch durch ihre Selbstverständlichkeit überzeugten, sondern aufgrund ihres günstigen Preises auch einer breiten Käufer*innenschicht zugänglich waren. Mit dem ab 1859 produzierten Modell Nr. 14 schuf Thonet zudem eines der weltweit meistverkauften Möbelstücke – es gilt heute als einer der unbestrittenen Klassiker des modernen Industriedesigns.
MAKtour
Gemeinsam mit unserer Kunstvermittlung haben Sie die Gelegenheit, unsere Schausammlungen jede Woche neu zu erkunden. Jedes Mal wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt mit spannenden Geschichten zu Objekten, Einblicken und Hintergründen.
 
Jeden Sonntag, 11 Uhr
Künstlerische Intervention
Barbara Bloom
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Nachdem bekannte Architekten wie Adolf Loos, Otto Wagner und Josef Hoffmann dem Bugholzmöbel im Wien der Jahrhundertwende neue Impulse verliehen hatten – allerdings vor allem im Auftrag der Konkurrenzfirma J. & J. Kohn –, gewann das Unternehmen Thonet in den 1920er Jahren erneut an Bedeutung: Zahlreiche internationale Architekten verwendeten sowohl klassische als auch neu entworfene Modelle in ihren Inneneinrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die verschiedenen nationalen Niederlassungen der Firma unabhängig voneinander geführt, einige davon existieren bis heute.
 
Kaum eine Darstellung der Designgeschichte kommt ohne Erwähnung des Namens Thonet aus, kaum eine größere Sammlung moderner Möbel ohne zumindest einen Thonet-Stuhl. Aus seiner umfangreichen Sammlung an Bugholzmöbeln zeigt das MAK hier einen Überblick über 100 Jahre Thonet’scher Produktion sowie jener der Konkurrenzfirmen und macht so ein Stück Design- sowie Konsumgeschichte erlebbar.

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