Die Schausammlung Empire Biedermeier wurde von der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer gestaltet. Ihre Handschrift zeigt sich besonders deutlich in den Leuchtschriften, die am Stuckgesims angebracht sind.
MAK – Museum für angewandte Kunst
Mit den poetischen, politischen und sozialkritischen Texten vermitteln sie wichtige Informationen über eine Zeit, die von großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte eine in Österreich bis dahin noch nie gekannte Masse an Konsument*innen hervor. Ermöglicht durch die Auswirkungen der industriellen Revolution sowie durch das soziale und wirtschaftliche Erstarken des Bürgertums, wurden die Dinge, die bis dahin vornehmlich der Aristokratie zugänglich waren, nun für eine größere Allgemeinheit verfügbar. Um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kund*innen befriedigen zu können, war die am Markt angebotene Produktpalette nicht nur durch geschmackliche Vielfalt, sondern auch durch eine subtile Abstufung vom teuren Luxusprodukt bis zum billigen Ersatzprodukt gekennzeichnet.
Künstlerische Intervention
Jenny Holzer
MAKtour
Gemeinsam mit unserer Kunstvermittlung haben Sie die Gelegenheit, unsere Schausammlungen jede Woche neu zu erkunden. Jedes Mal wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt mit spannenden Geschichten zu Objekten, Einblicken und Hintergründen.
 
Jeden Sonntag, 11 Uhr
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Hier finden Sie die Objektbeschriftungen zum Download.
Entsprechend führt die Auswahl der in diesem Raum ausgestellten Objekte neben einzelnen Glanzleistungen aus dem Kunstgewerbe der österreichischen Monarchie vor allem die gestalterische und materielle Vielfalt der Gebrauchsgegenstände in der Empire- und Biedermeierzeit vor. Gleich beim Betreten des Raumes dokumentieren zwei nebeneinanderstehende Sessel die gleichzeitig existierenden, jedoch ästhetisch grundlegend verschiedenen Stile Empire und Biedermeier – der eine repräsentativ, mit Samtbezug und klassizistischen Schmuckelementen, der andere wenig verziert, aus schlichter, aber hochwertiger Holz-Handwerkskunst. Spannend ist, dass beide Sessel zur selben Zeit vom selben Wiener Möbelfabrikanten produziert wurden: Joseph Ulrich Danhauser.
 
Weitere Sessel sowie Möbel aus bürgerlichen wie auch königlich-kaiserlichen Haushalten veranschaulichen eindrucksvoll die Explosion des Formenreichtums dieser Zeit. Porzellantassen in unbeschränkter Stimmungsvielfalt, Gläser als Träger unterschiedlichster Informationen und Silberschmiedearbeiten, deren Charaktere sich zwischen Einfachheit und Dekor entfalten, sind in den Vitrinen an den Stirnseiten des Raumes ausgestellt.
 
Das Sofa aus Aluminium, das Jenny Holzer als künstlerische Intervention in den Raum gestellt hat, fällt sofort ins Auge. Diese Sitzbank entstand nach Vorlage eines im Schausaal ausgestellten Biedermeier-Kanapees, das als museales Ausstellungsstück nicht benutzt werden darf. Im Gegensatz dazu dient Holzers detailgetreu in Aluminium abgegossene Kopie als Rastplatz, von dem aus die Museumsbesucher*innen den Raum in Ruhe betrachten können. Doch die Differenz zwischen Original und Kopie wird sogleich spürbar: Aluminium ist ein kaltes, hartes Material, das sich deutlich von den Annehmlichkeiten eines Polstermöbels unterscheidet. Damit wird umso deutlicher, wie sich seit dem 19. Jahrhundert die Bedingungen für die Gestaltung der alltäglichen Lebenswelt radikal verändert haben – sie unterlag zunehmend der privaten Behaglichkeit und immer weniger dem höfischen Zeremoniell.
 

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